Im interessantesten an der Frage finde ich, dass sie sich bei genauerer Betrachtung als so unklar erweist.
Als Kind nahem ich intensive Freundschaften zu anderen Jungs auf. Doch lag darin irgendetwas außergewöhnliches? Waren gelegentliche sexuelle Interaktionen etwas besonderes? Ich meine, dass ich mich darin nicht so sehr von anderen Jungs unterschied. Besonderheiten traten eigentlich erst mit der Pubertät zu Tage, als sich andere in gleichaltrige Mädchen verliebten und junge Frauen sexuell attraktiv fanden, während für mich zunächst nur vorpubertäre Jungen erotische und romantische Gefühle hervorriefen. Ich kann mich aber nicht daran erinnern als 12/13-jähriger daran gedacht zu haben, dass ich für immer auf Jungs festgelegt bleiben würde. Ich verhielt mich zunächst einfach meinen Gefühlen nach, ohne mir allzu große Gedanken hierzu zu machen. Im Grunde ging ich in diesem Alter mit großer Naivität davon aus, dass die Jungen, die ich liebte mich zurücklieben müssten, wenn ich mich nur genug um sie bemühte. Dass in diesem Erleben eine problematische Besonderheit liegt und man diese mit einem Begriff wie Pädophilie verbindet, wurde in mir erst mit etwa 18 Jahren bewusstseinsimmanent. Mit schwulen Männern identifizierte ich mich auch nicht. Scharfe Gesichtszüge, Körperbehaarung, männlicher Körpergeruch, athletischer Körperbau ... all das war für mich in keinster Weise attraktiv. Im Erwachsenenalter wurde mit überhaupt klar, dass auf sexueller Ebene das Alter für mein Interesse bestimmender ist, als das Geschlecht. Ein 8-jähriges Mädchen konnte mich also mehr interessieren als ein 25-jähriger junger Mann. Dadurch wurde der Begriff Pädophilie für meine Selbstbeschreibung plausibler. Zur selben Zeit bestanden aber weiterhin erhebliche innere Widersprüche, etwa die Tatsache, dass ich mir eine Lebenspartnerschaft wünschte und es auch zu meiner Lebensplanung gehörte, später einmal eigene Kinder zu haben. Diese Vorstellungen bekam ich aber mit der Lebenswelt der Pädophilie nicht vereint. Insofern bleibt mein Selbstkonzept bis heute brüchig und widersprüchlich.
Re: Wann habt ihr entdeckt, ein Boylover zu sein?
Geschrieben von Cuddly am 15. Juli 2020
Antwort auf Wann habt ihr entdeckt, ein Boylover zu sein? geschrieben von Peternetti am 15. Juli 2020
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